13 Tage „Courage!“: Kronberg Festival 2026 setzt starke Impulse für Mut und Haltung

Rund 12.400 Gäste, internationale Künstlerpersönlichkeiten und junge Talente – Festival zum 150. Geburtstag Pablo Casals’ macht Courage auf und jenseits der Bühne erlebbar

Kronberg im Taunus, 05. Oktober 2026 – Nach 13 intensiven Tagen ist gestern das Kronberg Festival 2026 „Courage!“ zu Ende gegangen. Über 30 Konzerte und Veranstaltungen, öffentliche Cello Meisterkurse, eine Ausstellung über Pablo Casals, ein Podiumsgespräch, Lesungen, Workshops und interaktive Begegnungsformate machten Mut und Haltung in ganz unterschiedlichen Facetten erlebbar – durch Künstlerpersönlichkeiten, die ihre Stimme erheben, durch Musik, die Grenzen überschreitet, und durch Begegnungen zwischen Generationen. Rund 12.400 Besucherinnen und Besucher unterstreichen zugleich die große Resonanz auf das Festival.

Zum 150. Geburtstag von Pablo Casals stellte die Kronberg Academy eine Frage ins Zentrum, die weit über die Musik hinausreicht: Woher nehmen Menschen den Mut, ihrer inneren Überzeugung zu folgen und entsprechend zu handeln? Das Festival beantwortete sie nicht mit einem Statement, sondern mit sehr unterschiedlichen künstlerischen und biografischen Beispielen. Bereits in seiner Konzeption war das Festival „Courage!“ als Zusammenspiel von künstlerischem Wagnis, persönlicher Haltung, gesellschaftlicher Verantwortung und der Kraft zum Aufbruch angelegt.

Raimund Trenkler, Gründer und Intendant der Kronberg Academy, zog zum Abschluss die Verbindung zwischen Festivalmotto und künstlerischem Selbstverständnis der Academy: „Es geht um die eigene Stimme, um Haltung – und vielleicht letztlich darum, den Weg zum eigenen Herzen zu finden und den Mut zu haben, ihm zu folgen. Koste es, was es wolle.“

 

Courage konkret 

Ein starkes Zeichen setzte gleich die Eröffnung: Die venezolanische Pianistin und Komponistin Gabriela Montero erhielt den Pablo Casals Award – For a Better World für die Verbindung außergewöhnlicher künstlerischer Leistungen mit gesellschaftlichem Engagement. Montero versteht Kunst und Gewissen als untrennbar und engagiert sich seit vielen Jahren öffentlich für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit in ihrer Heimat Venezuela.

Auch an anderen Stellen bekam das Festivalmotto ein Gesicht. Die iranische Komponistin Sarvenaz Safari schrieb mit „C wie…“ ein neues Werk für das Festival, ebenso wie Christian Jost und Yuri Laniuk. Gidon Kremer führte mit der Kremerata Baltica ein Auftragswerk der jungen estnischen Komponistin Alisson Kruusmaa zum Thema auf – so brachten neue Kompositionen und Uraufführungen die Frage nach Courage ausdrücklich in die Gegenwart. Fazıl Say betonte in einem Beitrag zum Festival, wie wichtig es ihm gewesen sei, gerade unter dem Motto „Courage!“ in Kronberg dabei zu sein – ein persönlicher Bezug, der seine kompromisslose künstlerische Sprache und Haltung unmittelbar mit dem Festivalgedanken verband.

Und manchmal sprach die Musik ganz für sich selbst: Beethovens Fünfte Sinfonie mit dem Ensemble Resonanz unter Riccardo Minasi versetzte das Publikum im Casals Forum regelrecht in Aufruhr. Das Werk war im Festival bewusst als musikalische „Konfrontation mit dem Schicksal“ gesetzt – als Musik, die ihren Hörerinnen und Hörern Mut nicht nur vorführt, sondern ihn geradezu abverlangt. Wie mutig klassische Musik heute gedacht werden kann, zeigte Stegreif – The Improvising Symphony Orchestra mit „freeEROICA“: ohne Dirigenten, ohne Noten und Stühle, mit Improvisation, Rekomposition und Bewegung im Raum. Das Publikum reagierte mit Standing Ovations. Die Aufnahme solcher Formate ins Festivalprogramm steht zugleich für den Anspruch der Kronberg Academy, neuen Konzertformen Raum zu geben und damit neue Zugänge zur klassischen Musik zu eröffnen.

 

Was bleibt? Stimmen aus dem Publikum

Dass „Courage!“ nicht an der Bühnenkante endete, zeigte sich besonders in der Resonanz des Publikums. Auf der „Courage-Wand“ im Casals Forum hielten Besucherinnen und Besucher während des Festivals ihre persönlichen Gedanken fest: Was bedeutet Courage? Wofür lohnt es sich einzustehen? Und welche Haltung trägt auch dann, wenn Gegenwind entsteht?

Ein englischsprachiger Beitrag formulierte – hier übersetzt – besonders poetisch und prägnant: „Courage bedeutet, die eigene Seele furchtlos der Welt zu öffnen.“ Ein anderer formulierte ganz persönlich: „Courage bedeutet für mich, sich entschuldigen zu können.“ So entstand im Laufe der 13 Festivaltage aus vielen unterschiedlichen Gedanken ein gemeinsames Bild davon, was Courage für Menschen ganz konkret bedeuten kann.

 

Ein Hauch von Pablo Casals – und Begegnungen über Generationen

Besonders unmittelbar wurde die Geschichte der Kronberg Academy in Momenten, die sich kaum planen lassen. Als der 78-jährige Cellist Miklós Perényi mit dem Chamber Orchestra of Europe musizierte, schien für einen Abend eine direkte Verbindung zu Pablo Casals auf: Perényi war noch dessen Schüler gewesen – und in der innigen, konzentrierten Art seines Spiels wehte ein Hauch von Casals durch den Saal.

Beim Podiumsgespräch „Casourage“ trafen der 97-jährige Publizist Paul Lendvai und Sir András Schiff auf die jungen Musikerinnen Cosima Soulez Larivière und Noga Shaham. Lendvai und Schiff, deren Biografien auch von Erfahrungen mit politischer Unfreiheit geprägt sind, kamen hier mit einer jungen Künstlergeneration über Zivilcourage, persönliche Verantwortung und die Rolle der Kunst heute ins Gespräch.

Gerade darin zeigte sich zugleich eine Kernidee der Kronberg Academy: Große Künstlerpersönlichkeiten, junge Musikerinnen und Musiker und Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten begegnen sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch daneben.

 

Junge Talente zwischen Meisterkurs und Bühne

Diese Weitergabe stand auch im Zentrum der öffentlichen Cello Meisterkurse. Frans Helmerson, Gary Hoffman, Jens Peter Maintz, Ildikó Szabó und Wolfgang Emanuel Schmidt arbeiteten mit 185 jungen Cellistinnen und Cellisten aus 35 Nationen. In öffentlichen Unterrichtsstunden ließ sich unmittelbar erleben, wie musikalische Erfahrung weitergegeben wird und junge Künstlerinnen und Künstler ermutigt werden, eine eigene Stimme zu entwickeln.

Mit den Cello Meisterkursen und dem 150. Geburtstag von Pablo Casals sei 2026, so Raimund Trenkler in seiner Abschlussrede, „in vieler Hinsicht ein echtes Cello-Jahr“ gewesen.

 

Geigenbau Biennale erweitert den Festivalraum: Treffpunkt für Publikum und Fachwelt

Einen eigenen Akzent setzte die Geigenbau Biennale Kronberg vom 29. September bis 2. Oktober: 33 Geigenbauer, Bogenmacher und Saitenhersteller aus sieben Ländern machten die Stadthalle erneut zu einem internationalen Treffpunkt rund um das Streichinstrument. Erstmals ermöglichte die Kronberg Academy zudem drei jungen Geigenbauern aus Spanien, der Schweiz und den Niederlanden die kostenfreie Teilnahme an der Ausstellung – und spannte damit auch im Instrumentenbau den für Kronberg typischen Bogen zwischen den Generationen. Besonders anschaulich wurde die Verbindung von Handwerk und Musik bei den öffentlichen Klangproben: Ildikó Szabó, Sào Soulez Larivière und Alexey Stychkin wählten Instrumente und Bögen aus der Ausstellung aus und machten deren unterschiedliche Klangcharaktere unmittelbar hörbar.

 

Kronberg Festival 2027 „Resonanz Raum Musik“

Nach „Courage!“ richtet das Kronberg Festival 2027 den Blick auf ein Thema, das Musik und Gesellschaft gleichermaßen berührt: Resonanz. Vom 21. September bis 3. Oktober 2027 öffnet das Festival Resonanzräume – für Musik und für Menschen.

Was heißt es, einander wahrzunehmen, zuzuhören und sich im Austausch zu verändern? Musik macht das unmittelbar erfahrbar. Im Casals Forum, selbst ein exzellenter akustischer Resonanzkörper und zugleich ein Ort der Begegnung, treffen herausragende Künstlerpersönlichkeiten, junge Musikerinnen und Musiker, Ensembles und große Orchester auf ein aufmerksames Publikum.

 

Vom Festival in die Saison: vier Seiten des Casals Forums

Mit dem Ende des Festivals beginnt zugleich die Saison 2026/27 in Kronberg. Den Auftakt bildet am 14. Oktober eines der beliebten MittwochsKonzerte, bei denen Studierende der Kronberg Academy ihre Programme selbst gestalten und ihre eigene künstlerische Handschrift zeigen.

Schon die folgenden Tage zeigen die Vielfalt der Programme im Casals Forum: Mit Katharina Konradi und Joseph Middleton beginnt am 16. Oktober die Liedreihe. Einen Tag später feiert Tabea Zimmermann ihren 60. Geburtstag mit einem sehr persönlichen Konzert „An die Musik“ – gemeinsam mit Freunden und jungen Musikerinnen und Musikern und mit einem Programm von Hildegard von Bingen über Bach, Hindemith und Schubert bis zum Jazz. Am 24. Oktober bringt Omer Klein mit seiner Band The Poetics Jazz ins Casals Forum.

Und mit „Mit Musik – Miteinander“ steht vom 23. bis 25. Oktober eine vierte Seite im Mittelpunkt, die unmittelbar zur DNA der Kronberg Academy gehört: Junge Preisträgerinnen und Preisträger von Jugendmusikwettbewerben musizieren gemeinsam mit Studierenden der Academy, lernen voneinander und geben Erfahrungen weiter. Öffentliche Proben und ein abschließendes Werkstattkonzert machen diesen Prozess für das Publikum unmittelbar erlebbar.

Weitere Informationen und das vollständige Saisonprogramm unter: www.kronbergacademy.de

 

Über die Kronberg Academy

Die Kronberg Academy zählt zu den bedeutendsten Begegnungs- und Ausbildungsstätten für junge Geigerinnen und Geiger, Bratschistinnen und Bratschisten, Cellistinnen und Cellisten sowie Pianistinnen und Pianisten. Unter dem Dach der Kronberg Academy Stiftung arbeiten junge Solistinnen und Solisten in Kronberg mit prägenden Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit zusammen und können in den Studiengängen der Kronberg Academy einen Bachelor- oder Masterabschluss erwerben. Konzerte, Festivals und internationale Auftritte bieten ihnen regelmäßig die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Vorbildern zu musizieren. Das Leitbild der Kronberg Academy orientiert sich am humanistischen Credo Pablo Casals’: Kunst, Menschlichkeit und die Würdigung der Natur gehören untrennbar zusammen. Ausdruck findet dies auch im Casals Forum, dem Konzertsaal mit integriertem Studienzentrum, der CO₂-neutral betrieben werden kann.

 

Pressekontakt

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